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10.04.2017

Ausstellung

Eröffnung
© Stadt Ludwigslust

Zwei Berichte, die sich gleichen. Und doch liegen 70 Jahre dazwischen. Elli Zielke (75) floh 1944 mit Mutter und Tante aus Schlesien, Alaa Faisal Nayef (24) 2015 mit ihrem Bruder aus Damaskus in Syrien. In Mecklenburg haben sich ihre Geschichten gekreuzt – die Dörfer Bolz und Dabel wurden zu Endpunkten langer Wege.

Solveig Witt aus Dabel und Christian Lehsten aus Rothen bei Sternberg haben im vergangenen Jahr Fluchtgeschichten ihrer Nachbarn aufgeschrieben – von damals und von heute. In ihren Dörfern gibt es viele Flüchtlinge und Nachkommen von Flüchtlingen.  Entstanden ist daraus eine Wander-Ausstellung, die bis zum 19. Mai im Rathaus  zu sehen ist.

Bürgermeister Reinhard Mach betonte während der Eröffnung: „Wir haben von Anfang an viel Wert darauf gelegt, zu zeigen, wie wir zu Flüchtlingen stehen. Und diese Ausstellung ist ein weiteres sichtbares Zeichen.“

Der Fotograf Christian Lehsten ging dann auf die Entstehungsgeschichte dieser Ausstellung ein. Acht Protagonisten kommen zu Wort. Sie stammen aus Afghanistan und Pommern, aus Lissau in Ostpreußen und aus Damaskus in Syrien, aus Gnadenfrei und Rosenberg in Schlesien, aus Homs und Aleppo in Syrien. Wenn auch die Fluchtursachen unterschiedlich sind, so wollen die Ausstellungsmacher doch Parallelen aufgreifen. „So gab es zum Beispiel die Ablehnung der Flüchtlinge schon einmal“, sagt Solveig Witt und Christian Lehsten fügt hinzu: „Diskriminierung und Diffamierung waren in den 40er-Jahren ähnlich wie heute. Die Flüchtlinge galten als ,Zigeuner‘ oder die aus der ,Batschka‘, die angeblich das Messer immer schnell zur Hand hatten.“

Er weiß, dass die Geschichten von der Flucht viele Menschen bewegen – auch deshalb, weil sie das Schicksal teilen oder die Eltern und Großeltern auf diese Weise nach Mecklenburg gekommen sind. Aber was ist mit den Geschichten derer, die auch fliehen mussten und die zwar in Deutschland, aber oft noch nicht in der Gemeinschaft angekommen sind?