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15.01.2018

Braumanufaktur

In Ludwigslust wir wieder gebraut

Braumanufaktur Raimo Reincke
Raimo Reinke freut sich auf das erste in Ludwigslust gebraute Bier © Sylvia Wegener

Ludwigslust ist nun wirklich keine typische Bierbrauer-Stadt, trotzdem hat es in der Geschichte des Ortes lange Jahre auch kleine Brauereien oder Bierbraustellen gegeben.

„Durch die Menge der Neubauten besonders seit dem Jahre 1816, … hatte Ludwigslust gegen Ende der Regierung des Großherzogs Friedrich Franz das Ansehen einer Stadt von nicht unbedeutendem Umfange bekommen. Eine städtische Betriebsamkeit war unterdessen auch immerhin im Orte aufgekommen. Der Hofbrauer Meyer richtete eine große Bierbrauerei ein. Dasselbe tat der Hofbäcker Breuel“, so Geschichtsschreiber Karl Goss in seiner 1852 herausgegebenen Chronik:

1824 gründeten die Gebr. Busch die Löwenbrauerei, die 1922 eine Filiale der Christian Rose Brauerei Grabow wurde. Die Adressbücher der Stadt Ludwigslust nennen für das Jahr 1876/77 zwei Brauereien im Ort, 1891 werden ebenfalls zwei Brauereien aufgeführt, die Brauerei der Gebrüder Busch und die Brauerei Leicht. Für das Jahr 1935/36 gibt das Ludwigsluster Adressbuch noch eine Brauerei an. Viel ist nicht bekannt aus der Geschichte der Ludwigsluster Brauereien, ihre Spur verliert sich. 

Nun wird in Ludwigslust wieder Bier gebraut. Raimo Reincke, Steffen Janka und Michael Schütt haben sich als gleichberechtigte Gesellschafter mit der Gründung der Braumanufaktur Anfang 2017 einen Traum erfüllte. Ein ganz besonderer Tag war es nun, als die Brautechnik im Dezember endlich nach Ludwigslust kam.

Die gesamte Brauanlage stammt von der Eick Brauerei Groß Gievitz bei Waren Müritz. Sie wurde dort gekauft, als dessen früherer Besitzer Harry Erchen die Brauerei aus Altersgründen aufgegeben hat. Aber ganz an Rente ist nicht zu denken, zu sehr hängt sein Herz an der Leidenschaft für das Bierbrauen. So sorgt Harry Erchen nun als Braumeister  in der Ludwigsluster Braumanufaktur für Qualität und Geschmack. 

Bislang wurde das Ludwigsluster Bier noch in Groß Grievitz gebraut. Nun aber, nachdem die gesamte Brautechnik von dort nach Ludwigslust kam, konnte in der zweiten Dezemberwoche der erste echte „Ludwigsluster“ Sud angesetzt werden. Bierbrauen aber ist ein Prozess, der Zeit braucht, sechs bis acht Wochen bis zur Reife. So wird das erste in Ludwigslust gebraute Bier erst Ende Januar – Anfang Februar fertig sein. 

Für Harry Erchen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass auch das Ludwigslust Bier nach dem Deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird. Damals wurde für das Herzogtum Bayern eine neue Landesordnung erlassen. Eine Textpassage darin weist auf die Regeln zur Herstellung von Bier hin. Diese Landesordnung bildet die Grundlage für das Reinheitsgebot des Bieres: „Wir wollen auch sonderlichen, das füran allenthalben in unnsern Steten, Märckten und auf dem Lannde, zu kainem Pier merer Stückh, dann allain Gersten, Hopfen unnd Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.“ f

Über 500 Jahre sind Gersten, Hopfen und Wasser die Rohstoffe, aus denen des Deutschen liebstes Getränk hergestellt wird. 

Die Ludwigsluster Braumanufaktur produziert gegenwärtig sechs eigene Sorten. Die Rezepte sind eine Symbiose aus dem Erfahrungswissen von Harry Erchen und der Experimentierfreudigkeit von einigen Freunden der Braumanufaktur, die teilweise auch als Kommanditisten fungieren. Zum aktuellen Sortiment gehören Sorten, deren Name unmittelbar auf Ludwigslust hinweist. Da gibt es den  „Lust Hopfen“ – ein  Bier nach Pilsner Brauart gebraut, das „Castle Beer“ (dt. Schlossbier) – ein Doppelbock oder auch den „Lust Weizen“. Weiter wird das „Brown Ale“ - ein  Altbier, das „Black Ale“ – Schwarzbier und das „India Pale Ale gebraut. Saisonale Spezialitäten sollen das Sortiment ergänzen und immer wieder den Gaumen der Bierliebhaber verwöhnen. 

Die Bierherstellung ist ein hochkomplexer Prozess. „Für jede einzelne Sorte werden die Getreidesorten unterschiedlich gemischt, jedes Bier hat seine ganz spezielle Reifezeit, je länger es reift, desto höher ist der Alkoholgehalt. So braucht das „Castle beer“ acht Wochen Reifung, bis es ein echter Doppelbock ist.“, so Geschäftsführer Steffen Janka. 

Für Steffen Janka und seine Mitstreiter ist das eigene Bier aber nur das erste Standbein. Ein zweites ist die Auftragsbrauerei für befreundete kleine Brauereien oder Spezialbiere für verschiedene Firmen, die die Rezepte genau vorgeben. 

Die Ludwigsluster Braumanufaktur hat ihr Zuhause in der Orangerie am Schlossgarten gefunden. Dort erfolgt auch die Direktvermarktung. Aber auch in einigen inhabergeführten Ladengeschäften ist Ludwigsluster Bier bereits im Angebot. 

Für Raimo Reincke, den studierten Kulturwissenschaftler, ist die Orangerie aber mehr als nur ein Gebäude für die Brauerei. Der einstmals für die herzogliche Versorgung errichteten Orangerie will er wieder Leben einhauchen. In der warmen Jahreszeit  wird voraussichtlich immer freitags zwischen 10 und 20 Uhr in und um die Orangerie, die Möglichkeit bestehen, frisches Bier vor Ort zu trinken oder im Werksverkauf zu erwerben. Es wird kleine rustikale Essensangebote dazu geben. Zudem gibt es Brauereibesichtigungen, die individuell gebucht werden können. Klaus-Dieter Weiß, einer der Mitarbeiter der Braumanufaktur, kennt so ziemlich alle Geheimnisse des Bierbrauens. Bei Brauereiführungen ist er gern bereit, das eine oder andere Geheimnis zu lüften.  

Reincke selbst ist im Moment bei den Planungen, die Orangerie für Ludwigslust zu einem neuen kulturellen Anlaufpunkt werden zu lassen. Die ersten konkreten Ideen nehmen gerade Gestalt an. Vorstellbar sind Veranstaltungen mit, wie er sagt: “feinem Tanz, mit Livemusik - Crossover von heavy metall, über Liedermacher und Solokünstler bis hin zur Klassik“. Auch Kleinkunst kann sich Reincke in der Orangerie sehr gut vorstellen. Nicht zuletzt ist die Orangerie auch für private Angelegenheiten, für Feste, Versammlungen oder  Zusammenkünfte nutzbar.

Das Konzept der Braumanufaktur klingt vielversprechend, neu und aufregend. Das Team um Raimo Reinke ist gut aufgestellt und blickt optimistisch in das erste Jahr. Wir dürfen uns also freuen auf neues Leben in der Orangerie und auf den Geschmack des Ludwigsluster Bieres. Und wünschen wir, dass spätere Generationen über die Braumanufaktur weitaus mehr in den Archiven finden, als nur eine Jahreszahl. 

Sylvia Wegener, Büro des Bürgermeisters, 02.01.2108