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Gillhoff-Dorf Glaisin

Gillhoff-Stuv - Dokumentation des Lebens und Schaffens von Johannes Gillhoff

Die Gillhoff-Stuv wurde 1992 eröffnet und 2010 nach einem neuen Museumskonzept überarbeitet. Das Projekt wurde finanziert mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und mit Mitteln der Stadt Ludwigslust.

Die Johannes-Gillhoff-Stuv dokumentiert das Leben und Schaffen des niederdeutschen Schriftstellers Johannes Gillhoff, der am 24. Mai 1861 in Glaisin, nahe Ludwigslust, geboren wurde. Sie befindet sich im ehemaligen Dorfschulhaus des Ortes, in dem Johannes Gillhoff in seiner Kindheit und Jugend lebte. Die Johannes Gillhoff Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische Lebenswerk des Schriftstellers zu pflegen und zu verbreiten. Sein umfangreiches Werk ist fester Bestandteil des Kulturerbes im norddeutschen Raum. Mit dem Buch vom Amerikafahrer, das der deutschen Nationalliteratur nahe steht, erzielte er Wirkung über das deutsche Sprachgebiet hinaus. Johannes Gillhoff ist nach Fritz Reuter der zweite niederdeutsche Autor Mecklenburgs, dessen Werk im fremdsprachigen Raum Verbreitung fand.

In der Ausstellung erwartet Sie ein umfassender Überblick über den Lebensweg des Dichters, über sein vielfältiges und erfolgreiches Wirken als Lehrer, Herausgeber, Redakteur und Rezensent. Durch umfangreiches Bild- und Schriftmaterial erhalten Sie viele Kenntnisse über seine Kindheit und Jugend in Glaisin, Sie erfahren Einzelheiten über die Familie Gillhoff. Im Mittelpunkt der Ausstellung aber steht sein literarisches Schaffen, dem er sich in späten Jahren erfolgreich zuwandte.

Seine Bücher und Aufsätze sind wichtige kulturhistorische und literarische Dokumente. Es erschienen:

1889 »Mecklenburgische Idiotismen«
1892 »Das mecklenburgische Volksrätsel«
ab 1903 literaturwissenschaftliche Abhandlungen
1905 »Bilder aus dem Dorfleben«
1917 »JürnjakobSwehn der Amerikafahrer«
1925-1930 »Mecklenburgische Monatshefte«

Der berühmte Roman "Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer"

Das Buch erschien erstmalig 1917 und wurde zum Bestseller der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Johannes Gillhoff veröffentlichte Briefe eines 1868 nach Amerika ausgewanderten Tagelöhners aus Mecklenburg, namens JürnjakobSwehn, als Briefroman. Swehn schrieb diese Briefe an Gillhoffs Vater, der der ehemalige Lehrer von ihm war.

Die Briefe handeln u. a. von der Überfahrt nach und der Ankunft in Amerika, der ersten harten Zeit als "farmhand", der Niederlassung im Bundesstaat Iowa, wo er eine eigene Familie und Farm gründete, Land erwirbt und es zu Wohlstand und Ansehen bringt. Es wird außerdem von der gemeinsam errichteten deutschen Schule berichtet und von einer Kirche ohne Pastoren: die Darstellung einer Laienpredigtvergißt man nicht so leicht.

Die Briefe sind spontan und fast immer zum Schmunzeln geschrieben, gespickt mit Sprichwörtern, Redensarten und Bibelsprüchen, die die einzelnen Ereignisse kommentieren; manche Passagen sind auch in Plattdeutsch verfasst.

Als JürnjakobSwehn sich zur Ruhe setzen kann, fängt gleichzeitig auch sein Heimweh an, das nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges sogar in Patriotismus ausartet. In dieser Zeit schreibt er die Briefe an seinen ehemaligen Lehrer in der Heimat Mecklenburg. Sie sind lesenswert, weil man nicht nur erheitert wird, sondern auch ein Stück Geschichte vermittelt bekommt.

»JürnjakobSwehn, der Sohn eines Tagelöhners aus Mecklenburg, wanderte 1868 nach Amerika aus. Er fand Arbeit auf einer Farm in Iowa, er heiratete, wurde Pächter eines kleinen Anwesens und erreichte am Ende sein großes Ziel, ein eigenes Stück Land.« Auszug aus »JürnjakobSwehn der Amerikafahrer«

1917 veröffentlichte Gillhoff seinen Briefroman »JürnjakobSwehn der Amerikafahrer«. Dieses Buch wurde in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Bestseller und fand auch im fremdsprachigen Raum Verbreitung. Authentische Briefe des Tagelöhners Carl Wiedow bilden die Grundlage für die Handlung. Dieser lesenswerte Roman stellt ein wirklich beeindruckendes Zeitzeugnis dar, in dem der mecklenburgische Auswanderer die entbehrungsreiche und gefahrenvolle Überfahrt nach Amerika schildert, die Gründe für das Verlassen seiner Heimat darlegt und wie er es zu Wohlstand und Ansehen bringt.

Die Auswandererbewegung in der Griesen Gegend

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Auswandererbewegung in der Griesen Gegend. Mecklenburg war das Land, das im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl zwischen 1815 und 1914 den höchsten Prozentsatz an Auswanderern stellte. Die politischen Hintergründe und Ursachen dieser Bewegung und deren Kettenreaktion werden Ihnen hier ausführlich geschildert. Sie erfahren auch, was die Menschen in der Neuen Welt erwartete und ob sie ihre Hoffnungen und Träume verwirklichen konnten. Die Informationen über Amerika waren nur ungenau und unvollständig, häufig durch Mundpropaganda verbreitet worden, so dass die Auswanderer sich vielfach ins Ungewisse auf den Weg machten. Was sie dabei erlebten und wie es ihnen dabei erging, können Sie dem entsprechenden Informationsmaterial entnehmen oder im Roman vom Amerikafahrer nachlesen.

Die Genealogische Gesellschaft Glaisin e.V. betreibt Nachforschungen über ehemalige Auswanderer aus Glaisin und der Griesen Gegend nach Amerika. Zahlreiche Schicksale konnten aufgedeckt und Begegnungen mit Nachkommen organisiert werden. In der Gillhoff-Stuv liegen Auswandererlisten zum Nachlesen und Recherchieren aus.