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09.03.2020

Integrationsbeirat im Dialog mit der Polizei

Auf dem Weg zum gegenseitigen Verständnis

2020-02_Dialogforum Polizei (1)
© Stadt Ludwigslust, SW

Ein Dialogforum stand für die Mitglieder des Integrationsbeirates Ende Februar auf dem Arbeitsplan. Eingeladen waren Mitarbeiter des Polizeihauptreviers Ludwigslust, um gemeinsam zum Thema „Toleranz, Demokratie und Teilhabe“ ins Gespräch zu kommen. Es galt, gegenseitige Wahrnehmungen und Erwartungen herauszuarbeiten und Lösungsansätze zu finden.

Gilbert Küchler, Leiter des Polizeihauptreviers Ludwigslust, bedankte sich beim Integrationsbeirat für die Einladung und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck. „Dies ist auch für die Polizei eine Art Auftaktveranstaltung, denn auch wir sind dabei, unser Leitbild zu aktualisieren und unser Handeln danach auszurichten.“

Moderatorin Kerstin Wilken freute sich vor allem über die Bereitschaft von so vielen Menschen, an diesem Thema mitzuarbeiten. So forderte sie zum Einstieg in das Thema alle Anwesenden auf, mit einem Wort auszudrücken, was ihnen zum Thema „Polizei“ als erstes einfällt. Dieses eine Wort, dieser eine Gedanke wurde auf ein Moderationskärtchen geschrieben. So fanden dann vierzig kleine Kärtchen ihren Platz in die Mitte der Gesprächsrunde.

Schnell fiel auf, dass viele Kärtchen gleiche oder ähnliche Gedanken zeigten. Polizei als „Freund und Helfer“. Anwesende aus dem Osten Deutschlands sehen die Polizei sehr offen in dieser Rolle, aber auch im Westen Deutschland ist die Polizei als „Freund und Helfer“ nicht unbekannt.

Einige Kärtchen jedoch vermittelten ein ganz anderes Bild. Begriffe wie „Angst“ oder „Macht“ waren auf ihnen zu lesen. Schnell wurde deutlich, dass Teilnehmer, die aus Migrationsländern kommen, eine andere Sicht auf die Institution Polizei haben. Aus ihrem Erleben in den Ursprungsländern haben sie wenig Vertrauen in die Polizei. Nur zu oft wurden sie dort mit polizeilicher Gewalt, mit Bestechlichkeit und Machtspielen konfrontiert.

So ist zu erklären, warum gerade Frauen mit Migrationshintergrund nicht die Polizei zu Hilfe rufen, wenn sie sich z.B. in Situationen häuslicher Gewalt befinden. Angst bestimmt ihr Handeln: Angst vor Gewalt durch die Polizei, Angst davor, dass man ihnen die Kinder wegnimmt und Angst davor, dass sich ein Polizeieinsatz negativ auf das eigene Asylverfahren auswirken könnte. Also schweigen sie und erdulden still ihre Pein.

Teilnehmer, die in Deutschland aufgewachsen sind, sehen die Polizei eindeutig auch in der Rolle derjenigen, die die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten. Dabei wird eine erhöhte Polizeipräsenz jedoch nicht einheitlich mit einem höheren Sicherheitsgefühl verbunden.

Auf einem Kärtchen stand auch der Begriff „Familie“. Teilnehmer aus dem Polizeidienst betonten, wie sehr sie sich mit dem Beruf des Polizisten verbunden fühlen, einem Beruf, in dem sich jeder auf den anderen weit über das normale Vertrauen hinaus verlassen können muss. „Hinter jedem Polizisten steht vor allem auch ein Mensch,“ so einer der anwesenden Polizisten. Diese Wahrnehmung hängt aber zum großen Teil von der jeweiligen Einsatzsituation ab. Schwierig sind besonders Einsätze, die nicht vorhersehbar sind. Da wünschen sich die Polizeimitarbeiter von der Gesellschaft, dass man viel mehr aufeinander Acht gibt.

Moderatorin Kerstin Wilken betonte im Dialogforum, dass es sich der Integrationsbeirat zur Aufgabe gemacht hat, Aufklärung zu betreiben. Mögliche Ideen wurden durch die Teilnehmer zusammengetragen. Beratung, Einsatz weiblicher Polizistinnen, Aufklärung zu Hilfsangeboten der Polizei … all das sind Themen, die kommuniziert werden sollten.

Kerstin Wilken bot an, dieses Thema in das Café der Vielfalt und das Frauencafé einzubringen. Beides sind Veranstaltungen, an denen regelmäßig Frauen mit Migrationshintergrund teilnehmen. Für Gilbert Küchler ist Kommunikation dringend notwendig und so sagte er zu, dass die Polizei hier als Partner zur Verfügung stehen wird. Sylvia Wegener, Büro des Bürgermeisters, PM 27.02.2020